Schleiz –
Tannaer Stadtrat gibt der Kita Zollgrün eine Chance
Volkssolidarität Oberland stellt Konzept zum Erhalt der Kindertagesstätte vor / Elterninitiative zum Erhalt der Kita im Juli gegründet / Fördermöglichkeiten werden geprüft
Eine Schließung der Kindertagesstätte Zollgrün steht für den Stadtrat von Tanna aktuell nicht mehr zur Debatte. Das ist das Ergebnis der jüngsten Stadtratssitzung, bei der im öffentlichen Teil eine Information der neuen Geschäftsführung der Volkssolidarität Regionalverband Oberland zu Konzeption und Aktivitäten zum Erhalt der Kita erfolgte.
Im Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr Tanna hatten neben den 16 Stadtratsmitgliedern und Bürgermeister Marco Seidel mehr als ein Dutzend Mitglieder einer im Juli gegründeten Initiative für den Erhalt der Kindertagesstätte Platz genommen – und konnten das Feuerwehrhaus nach einer Stunde erleichtert verlassen.
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Zunächst hatte Bürgermeister Marco Seidel den Geschäftsführerinnen der Volkssolidarität Regionalverband Oberland die Gelegenheit zur Vorstellung ihrer Konzeption zur Fortführung der Kindertagesstätte gegeben. Corina Schönbach und Sybille Schmidt – sie führen den Sozialverband seit dem 1. Juli 2025 – stellten die inhaltlichen und finanziellen Daten vor. Corina Schönbach beschrieb den ideal gelegenen kleinen Kindergarten mit seinem kindzentrierten pädagogischen Konzept und seiner festen Einbindung in die Dorfgemeinschaft sowie den traditionellen Aktivitäten von und mit allen Generationen. Sie skizzierte ein prägnantes Leitbild und konkrete Schritte zur Stärkung der Einrichtung und zur Verbesserung der finanziellen Situation der Kindertagesstätte “Wirbelwind”.
Dass beispielsweise Hausmeisterkosten reduziert werden können, weil Eltern sich bereit erklärt haben, den Rasen zu mähen und kleinere Reparaturen selbst zu erledigen; dass Einnahmen aus der Vermietung der Räume für verschiedene Kurse generiert werden können. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Tanna sollen in den kommenden zwei Monaten verschiedene Fördermöglichkeiten akquiriert werden – wie etwa Förderungen für den ländlichen Raum oder das Zusammenleben der Generationen.
In Zahlen bezüglich betreuter Kinder, Personalausgaben, Landeszuschüssen, Betriebskosten, Abschreibungen usw. erläuterte Sybille Schmidt die aktuelle Situation und die Prognose für 2026. Laut Geschäftsführerin Schmidt können die Kosten pro Kita-Platz im kommenden Jahr gesenkt werden.
Gleichzeitig wolle die Volkssolidarität jetzt alles tun, um die Elternbeiträge wieder zu senken. „Die aktuellen Beiträge erdrücken die Familien“, so Schönbach.
Zitat:
„Die Kita Zollgrün ist ein Herzstück der Dorfgemeinschaft. Wir wollen den Eltern die Zuversicht geben, dass die Einrichtung erhalten bleibt und dafür brauchen wir ein Signal des Stadtrates“, so Corina Schönbach.
Die Mitglieder des Stadtrates äußerten sich überwiegend sehr lobend („Wohlklang in meinen Ohren“, „ganz stark“, „sehr schlüssig“) über die Konzeption des Trägervereins, äußerten aber auch Bedenken – vor allem bezüglich der Prognosen über weiterhin geringe Kinderzahlen und der finanziellen Situation. Es wurde empfohlen, auch die Firmen der Umgebung, deren Mitarbeiter – Eltern ihre Kinder in Zollgrün gut versorgt wissen, um Unterstützung zu bitten.
Eingefordert wurden verbindliche Zahlen vom Trägerverein für die städtische Haushaltplanung. Im vergangenen Jahr und bis zum Ende der ersten Jahreshälfte 2025 hatte die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Volkssolidarität nicht zufriedenstellend funktioniert.
Schließlich appellierte Kreistagsmitglied Arnfried Völlm, ebenfalls Gast der Sitzung, für den Erhalt des Zollgrüner Kindergartens. Er habe vor gut 65 Jahren zu den ersten Kindern in diesem Kindergarten gehört. „Unsere Väter und Großväter haben mit Hacke und Schaufel selbst am Kindergarten gebaut,” so Völlm. Über Jahre sei in die Erhaltung investiert worden. Es sei für den ganzen Ort wichtig, dass der Kindergarten erhalten bleibe. „Und ich möchte in zwei Jahren zum 70. Geburtstag von den Kindergartenkindern besucht werden, so wie es bei uns im Dorf üblich ist”, so der Zollgrüner, dessen Kinder und Enkelkinder ebenfalls die Kita Wirbelwind besuchten und besuchen. “Wie sollte man das Objekt auch anders nutzen?”- gab er noch zu bedenken.
Schließlich sagte Bürgermeister Marco Seidel die von der Eltern-Initiative so sehr erhofften Worte: „OK. Versuchts!“
Und von allen Stadträten war ein freundliches Nicken zu vernehmen. Der Vertrag mit der Volkssolidarität als Träger wird also nicht gekündigt. Die Volkssolidarität Regionalverband Oberland e.V. ist nun in der Pflicht, das Konzept umzusetzen.
Kita-Leiterin Heike Schmidt und die Mitglieder der Eltern-Initiative äußerten sich am Ende froh und dankbar über den Verlauf der „Kindergartenstunde“ im Tannaer Stadtrat und sicherten zu, sich intensiv bei den Aktivitäten zum Erhalt ihrer Einrichtung einzubringen. Eine Herbstfestwoche im Oktober gehört zu den ersten Punkten des Aktionsplanes. Interessenten und Gäste aus der Region sind herzlich eingeladen.
Brit Wollschläger
Öffentlichkeitsarbeit | Kommunikation
Volkssolidarität Regionalverband Oberland e.V.
Fotos: Volkssolidarität Regionalverband Oberland e.V.

